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Trauer und Therapie

Aktualisiert: 7. Okt 2019

"Allein zu sein. Drei Worte, leicht zu sagen, und doch so schwer, so endlos schwer zu tragen." Adalbert von Chamisso



Was ist Trauer?

Trauer ist irgendwann Teil einer jeden Biografie. Sie ist eine natürliche Reaktion auf Verlusterlebnisse. Und dennoch gibt es in unserer Gesellschaft immer noch dieses Tabu, mit dem Trauernden begegnet wird. Die Umgebung wird vorsichtig und behandelt den Trauernden wie ein rohes Ei. Oder sie tut so, als ob nichts wäre. Oft ist sie auch im ersten Moment oder der ersten Zeit verständnisvoll, um dann bald - aus eigener Hilflosigkeit - vom Trauernden zu erwarten, dass er den Verlust nun doch endlich überwinden sollte.


Menschen lernen im Laufe ihres Lebens, auf ihre ganz eigene Art mit Trauer umzugehen. Für manche ist die Trauererfahrung so schmerzlich, dass es leichter scheint, sie zu verdrängen. Es gibt aber auch das Phänomen der sog. "aberkannten" Trauer: Hier handelt es sich um Trauer, die dem Trauernden von der Gesellschaft nicht als solche zugestanden wird. Z.B. weil die Beziehung zu dem verstorbenen Partner nur im Geheimen geführt werden konnte, oder weil das Kind, um das man so schmerzlich trauert, bereits vor der Geburt gestorben ist.



Wie äußert sich die Trauer?

Trauerreaktionen sind höchst unterschiedlich - wie die Menschen selbst. Die einen weinen und klagen und scheinen keinen Ausweg zu sehen. Die anderen werden hart und unzugänglich und verschließen sich. Wieder andere leben ihr Leben nach Außen hin unverändert und leiden still und im Verborgenen.


Trauer kann sich psychosomatisch zeigen: Schock, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Empfindungslosigkeit uvm.

Trauer kann Auswirkungen auf das soziale Verhalten des Menschen haben: Rückzug, Hyperaktivität, Apathie, Nicht-alleine-sein-können uvm.

Trauer kann auch Zweifel an Sinn, dem Leben oder dem Glauben eines Menschen mit sich bringen, genauso wie eine veränderte Sexualität.


Trauer hat viele Gesichter.



Wie kann Therapie hilfreich sein?

Therapie kann dort weiterhelfen, wo der Trauernde meint, nicht mehr alleine zurechtzukommen. Lange Zeit war man davon überzeugt, dass Trauernde sich von dem Verstorbenen verabschieden und diesen gehen lassen müssen.

Er/Sie ist gestorben. Du musst das akzeptieren und endlich loslassen.”

Diese Aussage kann ich so nicht unterstützen: Ich bin froh, dass die Trauerforschung dazugelernt hat und die Bewältigung von Trauer heute anders sieht. Denn aus meiner eigenen Erfahrung kann ich bestätigen, dass das erneute "Loslassen" nur noch schmerzlicher ist und sich nicht richtig anfühlt. "Ich habe ihn/sie doch schon einmal verloren. Warum muss ich ihn/sie erneut verlieren, indem ich loslasse?"


Einige Trauerforscher gehen heute davon aus, dass wir - nach dem Verlust durch den Tod eines geliebten Menschen - nicht loslassen müssen, sondern die Liebe zum Verstorbenen für uns behalten dürfen. Wesentlich ist, dass wir einen Weg finden, das eigene Leben weiterzuleben. Und gleichzeitig einen Weg finden, die Liebe nach wie vor zu empfinden, auch wenn sich die Beziehung durch den Tod zweifellos verändert hat.

Viele Trauernde sind erleichtert, dass man ihnen nicht auch noch ihre Liebe nimmt, und schaffen so gestärkt Schritte ins neue Leben.



Hilfreiche Trauerprozesse

Trauerbewältigung ist ein Prozess, zu dem vieles dazugehört: Die Trauer um den Verstorbenen genauso wie praktische Fragen des Alltags ("Wie lebe ich weiter? Wie wickle ich die Verlassenschaft ab? Früher hat er sich immer gekümmert, jetzt muss ich das tun..."). Trauerbewältigung als Prozess birgt jedoch auch viel Kraft in sich: Die Erinnerung klammert sich an Vergangenes, die Zukunft macht Angst - und der Schmerz bringt einen unweigerlich ins Hier & Jetzt.

Ein gelebter Trauerprozess (der nicht verdrängt oder negiert wird) ermöglicht nicht zuletzt auch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst: Meinen Wünschen, meinen Sehnsüchten, meinen Ängsten und meinen Fähigkeiten.


Und als die letzte Träne geweint war, seufzte sie und alles war... klar. Alles beweint, alles gelebt. Und plötzlich - und ganz unaufhörlich - bahnten sich die Sonnenstrahlen ihren Weg durch den Nebel. Und da... lächelte sie.

Denn ganz allmählich leben wir ins Morgen hinein...

Lange Zeit scheint es unvorstellbar, dass es nach der Trauer ein Leben danach geben wird. Und irgendwann begegnet man der Trauer mit einem sanften Lächeln. Dann gehört sie zum Leben dazu "wie Regen und Wolken zum Frühling".


Schlosspark Laxenburg im Oktober eines Jahres

"Wenn ihr mich sucht, dann sucht mich in euren Herzen.

Habe ich dort eine Bleibe gefunden, lebe ich in euch weiter."

Rainer Maria Rilke



Einige Leitideen zum Umgang mit Trauer und Trauernden:

  • Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben - gefangen in der Zwischenwelt

  • Überleben. Ein Prozess Schritt für Schritt

  • Trauer als (derzeit noch) letzte Verbindung zu dem/der Verstorbenen

  • Trauer kommt in Wellen - machen streifen uns sanft, manche reissen uns von den Füssen

  • Trauer trifft oft auf Hilf- und Sprachlosigkeit, was die Einsamkeit erhöht und den Trauerprozess erschwert

  • Gefühle in Phasen der Trauer dürfen / können gleichzeitig sein

  • Meine ganze Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war

  • In der Mitte der Nacht beginnt ein neuer Tag

  • Es dauert so lange, so lange es dauert

  • Und irgendwann verändert sich die Trauer... und wir mit ihr



Wenn Sie Begleitung in Ihrer Trauer suchen, dann kontaktieren sie mich. Ich begleite Sie gerne.



"Ich liebe die Sterne zu sehr, um Angst vor der Nacht zu haben."

Galileo Galilei


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